Gedichte Bier


Gedichte - Bier

Sammlung an Gedichten mit Bezug zum Getränk Bier für Leserunden und Gedächtniseinheiten.

 

wenn es häute regnet,
wird das leder billiger.

wenn es morgen regnet,
wird das land billiger.

wenn es abermalz regnet,
wird das Bier billiger

Unbekannt

 

 

Stoßseufzer

Am Weihnachtsonntag kam er zu mir,
In Jack' und Schurzfell, und roch nach Bier
Und sprach zwei Stunden zu meiner Qual
Von Zinsen und von Kapital;
Ein Kerl, vor dem mich Gott bewahr!
Hat keinen Festtag im ganzen Jahr

Theodor Storm

 

 

 

 

Gäb's keine Hefe,
Gäb's auch kein klares Bier.
Und gäb' es keine Plebejer,
Wo wäre der Cavalier?

Und gäb' es keine Narrheit,
Wer wäre annoch klug? –
Wer spräche von der Wahrheit,
Gäb' es nicht Lug und Trug?

Verfasser unbekannt

 

 

 

Predige nicht Wasser
Dem, der nur Bier will.
Dräng nicht zu dem,
Der nicht zu Dir will.
Hoff auf niemand zu wirken,
Eh gewalkt ihn die Not.
Dann schreit der Durst: Wasser!
Und: Hilfe! der Hasser – –
Dann dünkst du ihm – Brot!

Emil Gött

 

 

Bier heißt der Saft, in dem sich viel ertränken,
Wahrlich, 's ist unser Zeiten Schlummertrunk,
Ein trübes Naß und schwer fällt's auf das Denken…

Der neue Meth, dem viele Kraft erliegt,
Dem bau'n sie rings in allem Land Paläste,
Auf deren Thron sich die Erschlaffung wiegt.

Alberta von Puttkammer

 

 

 

 

 

Auf dem Fliegenplaneten

Auf dem Fliegenplaneten,
da geht es dem Menschen nicht gut:
denn was er hier der Fliege,
die Fliege ihm dort tut.

An Bändern voll Honig kleben
die Menschen dort allesamt,
und andre sind zum Verleben
in süßliches Bier verdammt.

In Einem nur scheinen die Fliegen
dem Menschen vorauszustehn:
Man bäckt uns nicht in Semmeln,
noch trinkt man uns aus Versehn.

Christian Morgenstern

 

 


Der Wirtin Töchterlein

Es zogen drei Burschen wohl über den Rhein,
Bei einer Frau Wirtin, da kehrten sie ein:

"Frau Wirtin, hat Sie gut Bier und Wein?
Wo hat Sie Ihr schönes Töchterlein?"

"Mein Bier und Wein ist frisch und klar.
Mein Töchterlein liegt auf der Totenbahr'."

Und als sie traten zur Kammer hinein,
Da lag sie in einem schwarzen Schrein.

Der erste, der schlug den Schleier zurück
Und schaute sie an mit traurigem Blick:

"Ach, lebtest du noch, du schöne Maid!
Ich würde dich lieben von 'dieser Zeit."

Der zweite deckte den Schleier zu
Und kehrte sich ab und weinte dazu:

"Adi, daß du liegst auf der Totenbahr'!
Ich hab' diich geliebet so manches Jahr."

Der dritte hüb ihn wieder sogleich
Und küßte sie an den Mund so bleich:

"Dich liebt' ich immer, dich lieb' ich noch heut'
Und werde dich lieben in Ewigkeit."

Ludwig Uhland

 

 

 

 

Auf die liderlichen Versverderber

Ihr ungestimmten Flöten
Verhungerter Poeten,
Pfeift für ein Maß verdorbnes Bier
Der Welt verwegne Possen für!
Geht ungefähr dem Dorf ein Richter ab,
Wie foltert ihr den Kopf durch tiefes Sinnen
Und seid bemüht bei dessen Grab
Durch einen Reim ein Taglohn zu gewinnen.
Für kleines Geld verkauft man große Lügen,
Die Stein und Eisen überwiegen.
Schlaf aus, du träumender Poet!
Suchst du die Toten aufzuwecken,
So mußt du selbst nach Geist und Leben schmecken!

Georg List

 

 

Lieder eines Lumpen

I.
Als ich ein kleiner Bube war,
War ich ein kleiner Lump;
Zigarren raucht' ich heimlich schon,
Trank auch schon Bier auf Pump.

Zur Hose hing das Hemd heraus,
Die Stiefel lief ich krumm,
Und statt zur Schule hinzugeh'n,
Strich ich im Wald herum.

Wie hab' ich's doch seit jener Zeit
So herrlich weit gebracht! –
Die Zeit hat aus dem kleinen Lump
'n großen Lump gemacht.

Wilhelm Busch

 

 

 

Dran erkennst du den Philister:
Fremde Leistung gern vergißt er,
Doch, was er macht, riesig mißt er;
Weisheit stets mit Löffeln frißt er,
Mit – Gescheitern steht im Zwist er;
Die Regierung zeiht der List er;
Beugt sich tief vor dem Minister!
Und wenn Krieg ist, im Tornister
Seinen Feldherrnstab verschließt er;
Doch beim Bier ist Renommist er,
Zieht da sämmtliche Register
Auf, der – richtige Philister.

Verfasser unbekannt

 

 

 

Essen ohne Dich

Ich habe mich hungrig gefühlt,
Doch fast nichts gegessen.
War alles lecker, das Bier so schön gekühlt –
Aber: du hast nicht neben mir
gegessen.

Verzeihe: Ich stellte mir vor,
Daß das ewig so bliebe,
Wenn du vor mir –
Ach was geht über Liebe?!!

Muß ich nun doch
Ein paar Tage noch
Fressen, ohne Lust; o das haß ich. –
Aber wenn du von der Reise
Heimkehrst, weiß ich, daß ich
Wieder richtig speise.

Joachim Ringelnatz

 

 

 

Vom Weibernehmen

Schweiget mir vom Weibernehmen,
Es bringt lauter Ungemach
Geld ausgeben, sorgen, grämen!
Einmal »juch« und dreimal »ach«!
Ist sie jung, so will sie fechten,
Ist sie alt, so ist's der Tod!
Ist sie reich, so will sie rechten,
Ist sie arm, wer schaffet Brot?
Wieviel Mäuler muß man speisen,
Was verschleppen Hund und Katz?
Und wann sich die Freunde weisen,
Was für Geld bleibt auf dem Platz?
Über Fische, Fleisch und Grütze
Bier und Wein und liebes Brot?
Wann nun erst die Frau nichts nütze,
Scheide Gott die liebe Not!

Unbekannt

 

 

 

 

 

Empfehlung

Du bist nervös. Drum lies doch mal
Das Buch, das man dir anempfahl.
Es ist beinah wie eine Reise
Im alten wohlbekannten Gleise.
Der Weg ist grad und flach das Land,
Rechts, links und unten nichts wie Sand.
Kein Räderlärm verbittert dich,
Kein harter Stoß erschüttert dich,
Und bald umfängt dich sanft und kühl
Ein Kaumvorhandenseinsgefühl.
Du bist behaglich eingenickt.
Dann, wenn du angenehm erquickt,
Kehrst du beim »stillen Wirte« ein.
Da gibt es weder Bier noch Wein.
Du schlürfst ein wenig Apfelmost,
Ißt eine leichte Löffelkost
Mit wenig Fett und vieler Grütze,
Gehst früh zu Bett in spitzer Mütze
Und trinkst zuletzt ein Gläschen Wasser.
Schlaf wohl und segne den Verfasser!

Wilhelm Busch

 

 

 


Der Genügsamste

Vier verwegene Gesellen
Stiegen einst hinab zur Höllen.
Vor dem höllischen Palast
Machten sie ein Weilchen Rast.

Alle schwitzten sie erklecklich,
Denn die Hitze war erschrecklich,
Und der Höllen-Reaumür
Stand auf Achtzehnhundertvier.

"Na, ick danke", rief der Preuße,
"So ne jottverdammte Reise!
Hier kann eener ja verkochen –
Ick bin schonstens Haut un Knochen!"

"Gibts denn nöt a Bier, zum Geier,
Himmelsackra!" schrie der Bayer,
"Jesses, un bei dera Hitzen –
Na, do mag der Deifel sitzen!"

"Chrischtli!" jammerte der Schwabe,
"Läg i liewer noch begrabe!
Schwäbli, jetzscht gehts iewers Köpfli –
I zerschwitz in lauta Tröpfli!"

"Heernse", sprach der Sachse:"schwiele
Find ichs nich – nich grade kiehle.
's Örtchen liegt e bißchen siedlich,
Awer sonst nich ungemiedlich."

Georg Bötticher

 

 

 

Will er sauer, so will ich süß,
Will er Mehl, so will ich Grieß,
Schreit er Hu, so schrei ich Ha,
Ist er dort, so bin ich da,
Will er essen, so will ich fasten,
Will er gehn, so will ich rasten,
Will er recht, so will ich link,
Sagt er Spatz, so sag ich Fink,
Ißt er Suppen, so eß ich Brocken,
Will er Strümpf, so will ich Socken,
Sagt er ja, so sag ich nein,
Sauft er Bier, so trink ich Wein,
Will er dies, so will ich das,
Singt er den Alt, so sing ich den Baß,
Steht er auf, so sitz ich nieder,
Schlägt er mich, so kratz ich wieder,
Will er hü!, so will ich hott!
Das ist ein Leben, erbarm es Gott!

Abraham a Santa Clara

 

 

 

Zur Beichte ging mit frommen Blick,
der junge Bauer Dominik.
Jedoch der Pater Quadrian
im Beichtstuhl war ein strenger Mann.
Und wer zu ihm zur Beichte kam
und den er ins Examen nahm,
dem stellte er gar viele Fragen,
wenn er nicht wollte alles sagen.
Und selbst wenn er nichts hatt' verbrochen,
er wurde nicht gleich losgesprochen.
Zu Dominik sprach er: "Mein Kind,
ich weiß, daß alle sündhaft sind.
Doch du, du hast es arg getrieben,
weil dich fast alle Mädchen lieben.
Drum sag' mir deine Sünden an -
du unglücksel'ger, junger Mann."
Da sprach der Bauernbursch verschämt:
"Wenn ihr mir's nur nicht übelnehmt,
dann will ich euch ja nichts verhehlen,
von Eurer Köchin was erzählen.
Ich ging einst abends spät zu ihr
und klopfte an die Küchentür,
da kam sie freudevoll heraus,
wir gingen in das Gartenhaus
und saßen dort auf jener Bank, die Ihr gemacht,
wohl eine ganze lange Nacht.
Ihr wißt schon, unter'm Apfelbaum,
wir saßen dort als wie im Traum.
Und endlich kam die Trennungsstunde
und auch ein Kuß von ihrem Munde.
Denn wie es ja gewöhnlich ist,
beim Abschied wird doch stets geküßt,
doch Eure Köchin, die war dumm,
die fiel beim Küssen langsam um.
Dann aber hielt sie mich noch lange,
herrje, mir wurde schon ganz bange,
ich wußte gar nicht, was sie wollte
und was ich mit ihr machen sollte."
"Wie", rief der Pater voller Beben,
"die Köchin hat sich dir ergeben
und du hast dort in jener Nacht
dein Bubenstück an ihr vollbracht?
So höre nun was ich dir sage:
Du darfst mir jetzt durch 100 Tage
kein Fleisch und auch kein Bier genießen
und nicht ein einzig Mädchen küssen.
Ist dann vorüber diese Zeit
und hast du alles tief bereut,
durch strenges Fasten und durch Beten,
dann sollst du wieder vor mich treten."
Der Bauernsohn ging traurig fort
und dachte oft an dieses Wort:
"Du darfst kein Fleisch, kein Bier genießen
und nicht ein einzig Mädchen küssen."
Und qualvoll strich die Zeit dahin.
So stand er meist mit trüben Sinn
ganz einsam an dem Klostergarten
und wollte auf den Nachbarn warten.
Da kam zu ihm die Priorin
und sprach mit liebevollem Sinn:
"Dominik, ihr seid ein lustiger Geselle,
kommt, geht mit mir in meine Zelle.
Kommt, ich verriegele die Tür
und ihr bleibt heute Nacht bei mir."
"Ich darf kein Fleisch, kein Bier genießen
und nicht ein einzig Mädchen küssen."
Da sprach das Nönnlein: "Kommt nur rein,
ich hab' kein Bier, ich geb' euch Wein,
und wenn ihr dürft kein Mädchen küssen -
nun ja, ihr müßt doch selber wissen,
ich bin kein Mädchen, nicht mein Bester,(?)
ich bin doch eine heil'ge Schwester."
Und das begriff der Bursche schon,
denn unser junger Bauernsohn
der war doch auch von Fleisch und Bein,
er dachte sich - ein Gläschen Wein
und eine hübsche Nonne küssen,
das könntest du doch auch genießen. -
Kurzum, er machte was sie wollte,
und sie, sie machte, was sie sollte.
Sie schlichen sich zur Zelle beide
und leerten da den Kelch der Freude
bis auf den letzten Tropfen aus,
des morgens ließ sie ihn heraus.
Nun dachte Dominik mit Zagen,
was wird der gute Pater sagen.
Die 100 Tage war'n vorbei
und Dominik ging wortgetreu
zum zweitenmal mit frommen Sinn
zur Beichte zum Herrn Pater hin.
Und als der Pater ihn gefragt:
"Hast du gelebt, wie ich gesagt?"
Sprach Dominik: "Ihr müßt verzeih'n,
ich trank kein Bier, ich trank nur Wein,
und hab' mit wahrer Götterwonne,
bei einer jungen Klosternonne
fast eine ganze lange Nacht,
in Lust und Liebe zugebracht!"
Der Pater fiel beinah' vom Stuhl:
"Du bist verdammt zum Höllenpfuhl,
wie kannst du so die Kirche lästern,
die Nonnen sind doch Christi Schwestern,
die Nonnen sind Gottes Töchterlein,
du mußt ein Kind des Teufels sein."
Da rief der Bauernbursch voll Lust:
"Ach, hätt' ich das doch gleich gewußt,
wenn die Nonnen Christi Schwestern sind,
dann bin ich ja ein gutes Kind,
was hung're ich mich da so mager -
da ist ja Christus gar mein Schwager,
und sind sie Gottes Töchterlein,
dann wird mir Gott schon selbst verzeih'n -
dann brauch' ich euch nicht mehr Herr Pater -
dann ist ja Gott mein Schwiegervater!"

Unbekannt

 

 

Ein Lied vom Hopfen

Der Hopfen sprach: ich rank' am Boden hier,
Komm, stütze mich, ich dank' dir einst als Bier –
Ich weiß, du läßt dich keine Müh' verdrießen.

Ich stützte ihn, da hieß es: bind mich fest,
Damit der Wind mich ruhig reifen läßt;
Ich weiß, du läßt dich keine Müh' verdrießen.

Ich band ihn fest; da rief er: jetzt ist's Zeit,
Pflück mich und bring mich hurtig auf die Spreit:
Ich weiß, du läßt dich keine Müh' verdrießen.

Dahin auch trug ich ihn; doch alsobald
Klang's wieder: in den Kessel jetzt! er wallt!
Ich weiß, du läßt dich keine Müh' verdrießen.

Ich brühte ihn; da heischt' er: nun ins Faß,
Ins dunkle Faß und dann ins helle Glas!
Ich weiß, du läßt dich keine Müh' verdrießen.

Und als das Glas nun schäumend überlief,
Da warf er mich zum Danke um und rief:
Ei, ei, du stehst gar lose auf den Füßen!

Charles Edouard Duboc

 

 

 

 

Dichter Rauhbein

Ich traf ihn im ›Roten Schweinskopf‹ beim Bier,
Dort sprach er mit Unverblümtheit.
Nur leider – betrunken schien er mir
Von Alkohol und Berühmtheit.

Flaumbärtige Bursche hockten dabei
Mit blaugetrunkenen Schmissen
Und gröhlten bei jeder Wutzerei,
Wie von der Kuh gebissen.

Dann lauschten sie wieder mit blödem Gesicht
Dem grimmigen Renommieren
Und rauchten Zigarren noch lange nicht
So schlecht wie ihre Manieren.

Er aber schaut stolz in dem Kreis sich um
Und richtet – ob je ichs vergesse! –
Ein grausames Privatissimum
Gratis an meine Adresse:

"Der Mensch soll brav als gesteigertes Vieh
Im Buch der Historie lesen:
Es gab auf Erden kein mächtig Genie,
Das nicht auch ein Flegel gewesen.

Drum ist meine Muse kein zimperlich Weib,
Wie auf alten griechischen Vasen;
Sie hat die robustesten Knochen im Leib
Und putzt sich am Ärmel die Nasen.

Sie ist die frechste Dirne der Stadt;
Doch mich kanns nur erheitern,
Wenn sie struppiges Haar auf dem Kopfe hat
Und Wanzen in ihren Kleidern.

Schmachtlappen und Zierbengeln bin ich fatal
Den Seufzgergigerln ein Grausen;
Ich rekle als einziges Original
Mich unter geölten Banausen.

Ich spuck auf die Liebe, ich schimpf auf den Mai,
Berühmt als Rauhbein und Knote.
Und dieses" – er rülpste – "ich bin so frei,
Ist meine persönliche Note."

Rudolf Presber

 

 


Klagelied eines Junggesellen

Mir fehlt etwas, mir ist nicht recht,
Doch wüßt ich wohl, was ich wohl möcht'.
Ich möchte was und weiß warum,
Das geht mir so im Kopf herum.

Heut' sprangen mir von meiner Hos'
Schon wieder mal zwei Knöpfe los;
Da setzt' ich mich und näht' herum
Wohl eine Stund, bis ich ganz krumm;
Bin dann zu Probsten hingerennt,
Zu schlürfen, was man Kaffee nennt.
Da fühlt' ich wieder mal so recht,
Daß mir was fehlt, was ich wohl möcht'.

Ein Gast, ein traurig schmerzensvoller,
Saß ich zu Mittag dann beim Koller.
Die Serviette war beschmutzt,
Die Gabel war nicht abgeputzt,
Kurzum, ich fühlte da so recht,
Daß mir was fehlt, was ich wohl möcht'.

Und abends in der Dämmerfrist,
Wenn man so ganz alleinig ist,
Da möcht' ich wohl so dann und wann
Etwas zu titscheln-tatscheln ha'n.
Jedoch – da fühle ich so recht,
Daß mir was fehlt, was ich wohl möcht'.

Was soll der Mensch des Abends tun?
Ich denk, zum Kappler geh ich nun;
Da sitz ich so bei meinem Bier
Als wie ein rechtes Murmeltier
Und fühle wieder mal so recht,
Daß mir was fehlt, was ich wohl möcht'.

Nun tönt die Glocke zwölf vom Turm,
Ich muß nach Haus, ich armes Wurm.
Es fällt der Schnee, der Wind geht kühl,
Daß ich's durch Hemd und Hosen fühl',
Und komm' ich endlich dann nach Haus
Und zieh mich zähneklappernd aus
Und steig ins Bett, – so fühl ich recht,
Daß mir was fehlt, was ich wohl möcht'.

Wilhelm Busch

 

 

 

Rendezvous

Ich bin verdammt zu warten
in einem Bürgergarten
auf das geliebte Weib.
Nun sitz ich hier als Beute
gewissenloser Leute
mit breitem Unterleib.
Sie sind so froh beim Biere,
bald zwei, bald drei, bald viere —
und reden vom Geschäft.
Die Gattin spricht vom Hause,
die Töchter trinken Brause,
und Flock, das Hündchen, kläfft.
Die Kellnerinnen schwirren.
Die Tischgeschirre klirren.
Der Himmel scheint so blau.
Wie süß ist's doch, zu warten
in einem Bürgergarten
auf die geliebte Frau.

Erich Mühsam

 

 

 

Des Feldpredigers Kriegstaten

Ich bin bei englischem Rindfleisch erzogen
Und habe bei englischem Biere studiert.
Der Herr General war mir gewogen;
Drum ward ich zum Feldprediger avanciert.
Denn der Mensch muß etwas versuchen und wagen;
Drum sitz' ich hier auf dem Bagagewagen.

Bin in Portugal nun Soldatenpastor
Und predige über Ach und Weh
Und warne vor Trunkenheit und Laster,
Die reuige, aber besoffene Armee,
Pfleg' aufs beste die Kehl' und den Magen
Und sitze hier auf dem Bagagewagen.

Gestern war eine große Bataille;
Es kam zu einer blutigen Schlacht.
Wir fochten alle en canaille;
Ich hätt' es kaum als möglich gedacht.
Der Franzose ward aufs Haupt geschlagen,
Und ich saß auf dem Bagagewagen.

Es ward schrecklich viel Blut vergossen
Ich kam in den größten Embarras.
Die Feinde hatten einen Bock geschossen
Und wir, wir schossen Viktoria.
Der gehört zu meinen glorreichsten Tagen;
Und ich saß auf dem Bagagewagen.

Ich sehe schon die Haufen Gedichte,
Die man uns Helden wird billig weihn.
Wir glänzen ewig in der Geschichte
Und ziehn in die Unsterblichkeit ein,
Und von mir auch wird man singen und sagen:
"Ja, der saß auf dem Bagagewagen!"

Karl Theodor Körner

 

 

 

 

Der geplagte Bräutigam
Im ganze Dorfe gehts Gerücht,
Dass ich um Greten freie;
Sie aber läßt das Tändeln nicht,
Die Falsche, Ungetreue! -
Denn Nachbar Kunzens langer Hans
Führt alle Sonntag sie zum Tanz
Und kommt mir ins Gehege -
Man überlege!

Auf künft'ge Ostern wirds ein Jahr,
Da faßt ich mich in Kürze -
Und kauft ihr [das Ding war rar]
Ein Band zur neuen Schürze;
Und an dem zweiten Feiertag,
Just mit dem neunten Glockenschlag,
Bracht ich ihr mein Geschenke -
Man denke!

Ich hatte nämlich räsoniert
Den Tag vorher beim Biere:
Wenn ich sie, mit dem Band geziert,
Zum Abendtanze führe,
So sag ich alles lang und breit
Und breche die Gelegenheit
Im Fall der Not vom Zaune -
Man staune!

Drauf hatt ich mich schön angetan,
Als gings zum Hochzeitsfeste!
Ich zog die neuen Stiefeln an
Und meines Vaters Weste;
Doch als ich kam vor Gretens Haus,
War auch der Vogel schon hinaus
Mit Hansen in die Schenke -
Man denke!

Das fasste mich wie Feuerbrand,
Der Zunder musste fangen;
Da kam, um seinen Hut mein Band,
Der Musjoe Hans gegangen;
Nun sprüht ich erst in voller Wut,
Er wurde grob - und kurz und gut
Ich kriegte derbe Schläge -
Man überlege!

Den Tag darauf an Gretens Tuer
Lauscht ich als Ehrenwächter.
Da schallte aus dem Garten mir
Ein gellendes Gelächter.
und als ich habe hingeschaut,
Da saß denn meine schöe Braut
Mit Hansen hinterm Zaune -
Man staune!

Das fuhr mir arg durch meinen Sinn,
Das Wort blieb in der Kehle;
Des andern Morgens ging ich hin
Und hielt ihrs vor die Seele;
Und sagt ihrs endlich grad heraus:
- Hör, Grete, mach mirs nicht zu kraus,
Sonst geh ich meiner Wege! -
Man überlege!

Da lachte sie mir ins Gesicht
Und kehrte mir den Rücken.
Ja, wenn der Hans den Hals nicht bricht,
So reiss ich ihn in Stücken!
Sonst bringt sie es gewiß so weit,
Daß ich mich noch bei guter Zeit
Im nächsten Teich ertränke! -
Man denke!

Karl Theodor Körner

 


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